Samstag, 10. Oktober 2009
Neulich bei der Feuerwehr (2)
Wer kennt sie nicht: Die Feuerwehr. Große rote Autos und kernige Menschen in zweckmäßiger Bekleidung. Alles was so eine Feuerwehr benötigt verkaufe ich. Dabei stoße ich immer wieder auf merkwürdige Begebenheiten, die sich nur dadurch erklären, daß die Feuerwehr dem Beamtentum verpflichtet ist, während ich ursprünglich aus der "freien" Wirtschaft stamme...

Auch nicht so ganz ohne ist das Ordnungsamt. Dieses ist bei Städten und Gemeinden häufig für die Feuerwehr zuständig. Die dort "arbeitenden" Menschen sind auch nicht so ganz ohne. Zwar gibt es derzeit im Fernsehen immer mehr Sendungen die Polizei und Ordnungsamt ins rechte Licht setzen, aber die Wirklichkeit ist manchmal ganz anders:

Jeder Kaufmann kennt das: Kunden zahlen gar nicht. Oder zu spät. Oder nicht genug. Oder zu spät und nicht genug. Zum Beispiel weil sie Skonto gezogen haben obwohl die Frist längst verstrichen gewesen ist. In solchen Fällen ist es mehr oder weniger üblich den Kunden höflich aber bestimmt (z. B. in Form eines Briefes) auf diesen Umstand aufmerksam zu machen und das fehlende Geld erstmal nachzufordern. Kürzlich erhielt ein Kunde gleich zwei dieser Briefe von mir. Daraufhin rief mich der Kunde an:

Kunde: Herr Kaplan, ihre ständigen Briefe sind etwas nervig. Bei ihren Mitbewerbern kenne ich sowas gar nicht. Wenn sie darauf bestehen muß ich mir überlegen, ob wir künftig bei ihnen noch kaufen....

Ich: Herr Kunde, ich kenne drei Arten wie Kunden auf unsere Forderung reagieren: Er zahlt oder er ruft an und sagt 'Herr Kaplan, können wir da mal drüber reden' oder er setzt mir die Pistole auf die Brust. In letzterem Fall muß ich dann die Mauer hochziehen...

Kunde: Naja, die Pistole wollen wir ja nicht gleich rausholen....

Ich: Bei allem nötigen Respekt, aber genau das haben sie gerade gemacht. Wenn sie sagen 'dann muß ich mir überlegen ob wir noch bei ihnen kaufen', dann ist das wohl nichts anderes. Wir können über alles reden, aber bitte in vernünftigem Ton.
Sie haben hier einmal nach 18 Tagen Skonto gezogen und einmal nach 22 Tagen. Beim zweiten Mal war die Rechnung aber auf 10 Tage netto ausgestellt, wie auch unser Angebot. Und das haben sie ja geprüft und auch angenommen.

Kunde: Ach, Angebot hin oder her! Ihre Mitbewerber sehen das nicht so eng, da ziehe ich auch nach 16 oder 18 Tagen Skonto und die akzeptieren das.

....

Das Gespräch ging noch eine Weile hin und her. Am Ende haben wir uns doch noch einigen können. Jedoch stellt sich mir folgende Fragen:

Darf die öffentliche Hand erpressen?
Darf die öffentliche Hand Zahlungsbedingungen überlesen?

Oder anders gefragt:

Wer sorgt eigentlich bei Ordnungsämtern für Ordnung?



Montag, 7. September 2009
Neulich bei der Feuerwehr (1)
Wer kennt sie nicht: Die Feuerwehr. Große rote Autos und kernige Menschen in zweckmäßiger Bekleidung. Alles was so eine Feuerwehr benötigt verkaufe ich. Dabei stoße ich immer wieder auf merkwürdige Begebenheiten, die sich nur dadurch erklären, daß die Feuerwehr dem Beamtentum verpflichtet ist, während ich ursprünglich aus der "freien" Wirtschaft stamme...

Die Feuerwehr trägt bei der Brandbekämpfung "Einsatzbekleidung". Diese ist -wie so vieles in Deutschland bzw. der EU- genormt. Abweichend von der Norm kann man die Bekleidung mit mehr oder weniger sinnigen Details ergänzen bzw. aufwerten.

So kaufen viele Feuerwehren Einsatzbekleidung, wo die Hosen im Kniebereich noch eine zusätzliche Verstärkung aufweisen. Diese Verstärkung ist aus einem Kevlargemisch und ziemlich widerstandsfähig. Ein sinnvolle Sache also, denn bei so ziemlich allen Hosen ist ja der Kniebereich eine Schwachstelle.

Leider sind Hosen mit dieser Verstärkung (noch) nicht so häufig, daß die Hersteller diese Variante in großer Zahl am Lager haben, so daß mit Lieferzeiten von 4 - 6 Wochen zu rechnen ist. Neulich wurden bei mir derartige Hosen bestellt, und nach meinem Hinweis auf Lieferzeit ergab sich die Frage wieso das denn so lange dauert. Man könnte diese Verstärkung (eine Art Platte, die auf die Hose aufgebracht wird) doch "einfach so" aufnähen. Das könne doch nicht so lange dauern. Mein Argument, daß das sicher schneller ginge wenn man es in Deutschland machen würde, es dann aber auch wesentlich teurer würde wollte der Mann am Telephon nicht gelten lassen: "Wir haben hier einen Schneider, da bringen wir unsere Klamotten hin wenn was kaputt ist und der macht das dann für fünf Euro."
Darauf ich: "Wir haben auch eine Schneiderei im Hause, die könnte sowas wohl auch machen, aber die macht das nicht."
Kunde: "Wieso nicht?"
Ich: "Da gehts um die Produkthaftung. Wenn da was passiert sind sie unter Umständen dran."
Kunde: "Das ist mir egal, das müssen die mir erstmal nachweisen."

Am Ende hat er die Hosen trotz Lieferzeit gekauft...

Anmerkung:
Der Kunde ist nicht einfach "bei der Feuerwehr", sondern auf Ebene des Regierungsbezirkes tätig und übt im Auftrag der Bezirksregierung die Aufsicht über die Freiwilligen Feuerwehren aus. - Man wundert sich. Ich zumindest.